Santiago de
Compostela
Das Grab des Apostels Jakobus der Ältere in Santiago
de Compostela gehörte im Mittelalter mit Rom und Jerusalem
zu den drei Hauptzielen der christlichen Pilgerfahrt. Wer
diese Wallfahrt auf sich nahm, dem wurden seine Sünden
verziehen, abgelassen, wer auf der Reise sterben sollte,
kam auf der Überholspur ins Himmelreich. Man konnte selbst
stellvertretend für einen anderen Sünder diese Wallfahrt
unternehmen - und im Gegensatz konnte man im
Verhinderungsfalle auch jemanden anderen bis an das Ende
der Welt senden, wenn er zurückkam, übergab er dem
Auftragsgeber den Ablass. Daraus ist dann auch ein
handelbares Gut geworden, was dann wieder neue Folgen in
der Kirche des Mittelalter haben sollte.
Santiago wurde um 830 zum Wallfahrtsort, als man die
in einem Grab gefundenen Gebeine dem Apostel Jakobus
zuschrieb. In der eindrucksvollen Kathedrale schmückt ein
vergoldeter Baldachin den Altar. Ein ständiger Pilgerstrom
bildet Schlangen, eine große Sitzfigur des hl. Jakobus wird
als Zeichen der Ehrerbietung umarmt und geküsst.
Santiago de Compostela gehörte neben Rom und Jerusalem zu
den bedeutendsten Pilgerzielen des christlichen
Mittelalters. Das Einzugsgebiet reichte bis Skandinavien
und in das östliche Mitteleuropa. Im 15. Jahrhundert wurden
heilige Jahre eingeführt, die immer dann stattfinden, wenn
der Jakobstag (25. Juli) auf einen Sonntag fällt. Das
letzte Heilige Jahr fand 2004 statt, das nächste wird 2010
sein. Seit dem Heiligen Jahr 1976 erlebt der Jakobsweg eine
Renaissance. Jährlich treffen etwa 75.000 Pilger zu Fuß,
auf dem Fahrrad, zu Pferd oder als Rollstuhlfahrer in
Santiago ein.